Bau des Wahrdamms und Wahrdammskoog Besondere Aufmerksamkeit fand in der Zeitgenössischen Chronistik das Landfestwerden der Insel Büsum, zu der unter Einsatz der gesamten Bevölkerung der drei Ortschaften Büsum, Reinsbüttel und Großbüttel im Sommer 1585 ein flacher Damm geschlagen werden konnte. Die schnelle Verlandung beiderseits des Dammes führte nach mehreren vergeblichen Versuchen 1608/1609 zur Gewinnung des Wardammkooges. Dabei hatte sich auch der Büsumer Pastor und Dithmarscher Chronist Neocorus beteiligt, seinen Wagenführer, einen kränklichen Schneiderjungen, mit dem Spaten bedroht und so zur Eile angetrieben, daß er vom Wagen fiel und im Sande erstickte. Vor einer Verurteilung für den Vorwurf des Totschlags konnten ihn nur mit Mühe Unschuldsbeteuerungen befreundeter Zeugen retten. (Geschichte Dithmarschens, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide 2000) Mit der Abdämmung wurde am 8.VI.1585 (8. Juni ?)begonnen, mit der Aufsicht und dem Arbeitseinsatz beauftragten die beteiligten Dorfschaften 'ehre besondere Upseher und Vogede'. Als der Damm von Norden und Süden her bis an das Tief vorgetrieben war, erwies es sich als zweckmäßig, zur Abdämmung einige geeignete Leute aus anderen Kirchspielen heranzuziehen. Die Schließung des Stromes erfolgte mit Hilfe von eingerammten Pfählen, zwischen denen 'Secke mit Erden gefüllet' eingebracht wurden, wobei jedes Haus einen Sack liefern mußte. Unter Einsatz der gesamten Bevölkerung aus den drei Ortschaften (Büsum, Reinsbüttel und Großbüttel) gelang es das Tief abzudämmen. Der Erfolg Schien kurz vor dem Abschluß in Frage gestellt, weil es zwischen den Büsumern und Reinsbüttelern zu einem Streit kam. Erstere verfügten über mehr Fahrzeuge als letztere, sie wollten den Boden teilweise auf Reinsbütteler Seite entnehmen und zu ihrem Dammanteil heranfahren. Dem widersetzten sich die Reinsbütteler, der Streit konnte nur durch Beibehaltung der getrennten Anfuhr beigelegt werden. Die Abdämmung wurde am 30. Juni fertiggestellt, sie bewährte in der Folgezeit ihre Standsicherheit. (Kurt Schulte: Büsum, Von der Insel zum Nordseeheilbad, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide 1989) Zum Bau des Wahrdamms, einer Verbindung von Reinsbüttel zu der 6 km südwestlich gelegenen Insel Büsum quer durch den Wartstrom, kam es auf Befehl des neuen Landesherren. Nach der letzten großen Fehde im Jahre 1559 und dem Ende der Bauernrepublik war Norderdithmarschen an den Herzog von Holstein gefallen, und dieser wollte nun seinen Besitz vor den Fluten der Nordsee geschützt wissen. Schon immer hatten die Reinsbütteler unter dem Wartstrom gelitten und Anfang des 16. Jahrhunderts war bereits eine Deichdämmung des Wartstroms erfolgt. Doch sie ging durch Unstimmigkeiten und Streitereien mit den Büsumern verloren. Der neue Wahrdamm entstand im Juni 1585 innerhalb weniger Wochen in einer Gemeinschaftsarbeit der Kirchspiele Wesselburen und Büsum. Es war für damalige Zeiten eine gewaltige Leistung, bei der jeder Bauer mit seinen Leuten harte Arbeit erbringen mußte. Rechts und links des Wahrdamms schuf man in den nächsten 10 Jahren bedeichtes Neuland: den Wahrdammskoog; dessen Entstehung sicher viel schneller vonstatten gegangen wäre, wenn sich die Reinsbütteler und Büsumer nicht ständig gezankt hätten. Die nächste große Sturmflut (1609/10) machte das Werk wieder zunichte. Die neuen Deiche brachen und der Wahrdammskoog wurde erst 1612 wieder hergestellt. (Chronik der Gemeinde Reinsbüttel 1994) Das entlang des Dammes aufgeschlickte Land wurde als Wardammkoog zwischen 1599 und 1609 eingedeicht. Die Eindeichung dieses Kooges bildete dabei Teil der herzöglichen Landgewinnungspolitik, Außendeichsländereien in abgabefähiges Koogsland umzuwandeln. (Geschichte Dithmarschens, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide 2000)
Standort: Wahrdamm von 1585