Mittelalterlicher Deichbau
Der Verlauf der mittelalterlichen Deiche richtete sich noch nach den naturräumlichen Verhältnissen, eine Durchdämmung größerer Prielströme war noch nicht möglich. Dies änderte sich erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, noch stärker nach dem Ende der Selbständigkeit Dithmarschens 1559, als die jeweiligen Landesherren, der Gottdorfer Herzog und der dänische König zu Trägern der Neueindeichungen wurden. Mit ihren geradlinigen, lagen Deichschlägen und ihren Ausmaßen unterscheiden sich diese deutlich von den mittelalterlichen Deichen.
Die Gewinnung des Büsumer Vorlandes sah Neocorus im Zusammenhang mit der Sturmflut von 1573, die vor allem in "Busen sonderlich gewötet" hat und den südlichen Deich zwischen Büsum und Warwen stark beschädigte. Die sich in der Folgezeit noch wiederholenden Schadensfluten gaben den Anstoß zur Abdämmung des Wardstromes durch die Kirchspiele Wesselburen und Wöhrden. Als Verkehrsweg über den in der Mitte des 16. Jahrhunderts schon weitgehend verlandeten Priel wurde 1585 ein neuer Damm errichtet, nachdem entsprechende Beratungen mit dem Schleswiger Herzog stattgefunden hatten.
(Geschichte Dithmarschens, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide 2000)
Landfestmachung und nachfolgende Gewinnung des Wardammkooges
Der Wardstrom muß schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts einzwar breiter, aber nur noch flacher Priel gewesen sein. Dafür spricht der erste Dammbau, den Neocurus ohne genaue Jahresangabe in die Yeit der Eroberung Dithmarschens 1559 ansetzt. Allerdings soll dieser Damm zu nahe am "Ostereggen Reinßbüttler Man" gelegen haben. Infolge der Uneinigkeit der Beteiligten unterblieb eine Unterhaltung, so daß er durchbrochen wurde und verloren ging. Trotzdem machte die Verlandung weitere Fortschritte, die Aussichten für eine erneute Landfestmachung der Insel verbesserten sich bald. Neocorus weist ausdrücklich daraf hin, daß der Sand in der Flutscheide hoch ablagerte und einen "freien Paß" schuf, der "in dachlicher gemeinen Ebbe" (bei täglich gewöhnlicher Ebbe) trockenen Fußes begangen werden konnte.
Während das Kirchspiel Büsum mit überwiegender Mehrheit einen Dammbau ablehnte, wurden mehrere Büsumer zusammen mit Bewohnern aus Reinsbüttel und Großbüttel in dieser Freage beim Herzog vorstellig, und zwar einige Jahre vor 1585. Sie erreichten auch, daßzunächst eine örtliche Besichtigung durch Außenkoogleute stattfand. Ihr Vorschlag ging dahin, "einen Dam uberzuschlagen und zu versuchen, wie es sich mit dem Anschlicken und Anwachsen schicken wolte".
Hierzu nahm eine heryogl. Kommision im Jahre 1584 wie folgt Stellung: Es dürfte nützlich sein, zunächst nur "einen ringen Teich ungeferlich 3 Ruten breit und eine Tonne oder anderthalben hoch uberzuschlagen". Nach seiner günstigen Wirkung auf die Anschlickung käme in Betracht, "einen bestendigen Sehteich darauß zu machen". Dieses günstige Ergebnis veranlaßte den Herzog zu einen Mandat, wonach der Dammbau mit gesamter Hand in Angriff genommen und fertiggestellt werden sollte. Die Dammlinie sollte von "Kemerken Slippen" auf der Büsummer Seite genau nach Norden führen

Die Beteiligung an Diesem Werk wurde allen Bewohnern zur Pflicht gemacht. Dafür sollten sie ihren Anteil am künftigen Anwachs im Tief, das bereits so hoch lag wie die "Gronßwarde" (Groden oder Vorland) selbst im Verhältnis der gesamten Kopfzahl ("Halß Halß gelik") erhalten. Gegen diese Beteiligung erhoben die Reinsbütteler Einspruch. Sie wollten zwar "den Wahrdamm mit maken und holden", aber nur unter heranziehung der Landeigner. Anscheinend blieben sie bei ihrer abweichenden Regelung, denn Neocorus erwähnte nicht von einem Eingreifen der Landesherrschaft.
Mit der Abdämmung wurde am 8. VI. 1585 begonnen....
(Das Wasserwesen an der Schleswig-Holsteinschen Nordseeküste, Band 5 Dithmarschen, Friedrich Müller und Otto Fischer, Verlag von Dietrich Reimer, Berlin 1957)