Büsum
Meldorf, Reinsbüttel, Warwerort, Wöhrden, Schiffverkehr

Der Hafen Büsums entwickelte sich wegen seiner tiefen Zufahrt und der guten Straßenanbindung zu einem wichtigen Stützpunkt der Fischerei an der Westküste, 25 Kutter sind hier zu Hause.
(Geschichte Dithmarschens, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide 2000)
Noch im Mittelalter deuten die Überfälle der Inselbewohner auf Hamburger Schiffe und der Kampf um Stapelrechte in Hamburg auf das Vorhandensein von Häfen in Süd- und Mitteldorf hin. Auf dem der Küste gegenüberliegenden Inselnordteil waren wohl die ältesten Lösch und Landeplätze am Wardstrom.

Damals lag Büsum als Norddorf an diesem die Insel vom Dithmarscher Festland trennenden Strom. Zwischen der Osterwarft (heute Kirchenwarft) und der Westerwarft ist in einem Priel, der sich an Stelle der Alleestraße befand, ein Landeplatz gewesen.
Schweinedeich

Durch starke Aufschlickung im Norden wurde durch den Bau des Schweinedeiches etwa um 1000 n.Chr. der "Kagseekoog" gewonnen.

In den Flurnamen des Kirchspiels Büsum werden zwei Deutungen für den Namen gegeben: "Deich auf dem Schweine geweidet werden" oder "Deich gegen ein befahrbares Gewässer". Abgeleitet von Swin (Swinemünde) = befahrbares Gewässer. Die zweite Namensdeutung würde die Hafenhypothese für den Schweinedeich unterstützen.
Oesterdeichstrich-Draen

Spuren eines Hafens der Insel Büsum?
Eine eher zufällige Entdeckung gelang nahe des Flugplatzes im Dürresommer 1992; eigenartige Rechteckstrukturen liegen an der Verfärbung eines Wsserlaufes. Die Entstehung kann gut eingegrenzt werden: zwischen der Andeichung des "Neuen Kooges" an die Insel Büsum, angeblich 1452, und der Eindeichung des Wahrdammkooges 1609, die Büsum zum Bestandteil des Festlandes machte. Schwieriger ist die Deutung: schmale Rechteckgräben an einem küstlichen oder begradigten Wasserlauf, die kleine Parzellen im damaligen Außendeichland einschließen, könnten Spuren einer Schiffsanlegestelle am Engpaß zwischen der damaligen Insel Büsum und dem Festland sein.
(Volker Arnold: Dithmarschen, Zeitschrift für Landeskunde und Landschaftspflege, Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, Heide1994)
In den Flurnamen des Kirchspiels Büsum wird Draen als "kurzes Stück Ackerland von länglich viereckiger Form mit ungleichen Seitenlinien,das mit einem Ende an den Deich stößt" erklärt.
(Katharina Falkson, Die Flurnamen des Kirchspiels Büsum, Wachholtz Verlag, Neumünster 2000)

Flaxwehl
Als um 1400 der mittlere Deich (heute nördliche Umgehungsstrasse) entstand, wurde die Inselversorgung von Reinsbüttel, Wesselburen-Deichhausen und Wöhrdener Hafen aus vermutlich nach "Scharesfleth" beim Flaxwehl an der Nordostecke der Insel durchgeführt.

Durch die Eindeichung des Nien Kooges (heute Oesterdeichstrich) 1452 mußte der Landeplatz zur Groventiefe vermutlich beim heutigen Holland- und Marienhof verlegt werden.
Groventiefe

NordgrovenSiel

Als das Seedeichsiel Nordgroven im Hintergrund noch nicht errichtet war (1975) wurde dieser Priel, in den der Hedwigenkoog entwässert wird, als Anlegestelle für Fischerboote genutzt.


Der neue Büsumer Hafen

Nachdem "Ol Büsum", der mittlere Teil der Insel, untergegangen und 1575-77 der Grovenkoog (heute Westerdeichstrich) eingedeicht worden war, entstand Ende des 16.Jahrhunderts der heutige Büsumer Hafen, der immer wieder zuzuschlicken drohte.
(Kurt Schulte: Büsum, Von der Insel zum Nordseeheilbad, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide1989)

Meldorf
Büsum, Reinsbüttel, Warwerort, Wöhrden, Schiffverkehr

Dreißig Kilometer von der Elbe entfernt, 30 Kilometer von der Eider, in Nord-Süd-Richtung also in der Mitte des Gaues. Aber von Osten nach Westen gesehen lag sie am äußersten Rand, direkt an der Nordsee. Die bespülte zur Zeit dieser Kirchengründung gewiß noch das Geestufer etwa beim heutigen Landwirtschaftsmuseum

Von See her war das Meldorfer Ufer durch breite Priele gewiß gut zu erreichen, ähnlich wie der Nordteil Dithmarschens über die Eider und der Südteil durch die Stör und die Burger Au. Über Elbe und See ist Dithmarschen auch an das abendländische Reich Karls des Großen angeschlossen worden. Auf denselben Routen blieben die Herrschaftsbeziehungen zum Stader Grafen oder später zum Bremer Erzbischof. Ihre Sitze lagen jenseits des Wassers und doch "vor der Tür", da die Schiffe leichter fuhren, mit Sack und Pack weniger mühselig vorankamen als Roß und Reiter oder schwerfällige Wagen auf gänzlich unbefestigten Wegen.
(Geschichte Dithmarschens, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide 2000)

Alter Meldorfer Hafen um 1900 vor dem Seedeich

Alter Meldofer Binnenhafen um 1910
Reinsbüttel
Büsum, Meldorf, Warwerort, Wöhrden, Schiffverkehr



Warwerort
Büsum, Meldorf, Reinsbüttel, Wöhrden, Schiffverkehr

Durch die Prielumleitung von Warwerort nach Büsum versandete nun der alte Warwerorter Schleusenstrom, der bis dahin die Zufahrt zum Wöhrdener Hafen gesichert hatte. Um diese Versandung zu stoppen, wurde ein Durchstich bei Warwerort zu dem nach Wöhrden und Meldorferhafen führenden Fahrwasser gemacht. Dieses hatte für Büsum schlimme Folgen, das Wasser nahm den kürzeren Weg, und der Priel nach Büsum versandete und allmählich somit auch der Büsumer Hafen.

(Kurt Schulte: Büsum, Von der Insel zum Nordseeheilbad, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide1989)
Wöhrden
Büsum, Meldorf, Reinsbüttel, Warwerort, Schiffverkehr

Ursprünglich lag das Wurtdorf Wöhrden direkt an der Dithmarscher Bucht. Auch der älteste Deich (um 1100) scheint unmittelbar an die erhöhte Wurt herangereicht zu haben, so dass sie von Südwesten her mit Waserfahrzeugen erreicht werden konnte. Nach der Vordeichung des Büttler Kooges 1601 und ein zweites Mal nach dem Bau des Christianskoges 1845 musste der Hafen jeweils seeseitig an den neuen Außendeich verlegt werden. Er befand sich an der Stelle, wo ein Entwässerungstrom der Marsch westlich von Wackenhusen mit Hilfe eines Siels durch den jeweiligen Deich geleitet wurde. Die Anlegestelle bestand bis 1978 und wurde mit dem Bau des Speicherkooges endgültig aufgegeben. Ein ehemaliges Zollgebäude zeugt noch von der früheren Bedeutung des Hafens.
(HISTOUR-Dithmarschen, Der historisch-touristische Führer, Verlag Boyens & Co, Heide 2003)

Zu denen gehörte auch Wöhrden. Es war damals (1375) der führende Hafen in der nördlichen Marsch mit guter Zufahrt von See her. Dahinter lag die fruchtbare und breite Nordermarsch mit Wesselburen. Vor diesem Ort waren Watt und Vorland zu hoch aufgelandet, so daß er für die Schiffahrt nicht mehr gut erreichbar war. Wöhrden also war auch der Hafen für Wesselburen.

Schiffsverkehr 1842 bis 1884
Büsum, Meldorf, Reinsbüttel, Warwerort, Wöhrden

Große Segelschiffe konnten im Büsumer Schlickhafen nicht festmachen. Sie fuhren in die Miele zum Meldorfer Hafen weiter. Die kleinen Schiffe, die Büsum ansegelten, konnten etwa 10 bis 14 Tonnen laden.
(Kurt Schulte: Büsum, Von der Insel zum Nordseeheilbad, Westholsteinischer Verlag Boyens, Heide1989)

Schiffart in Dithmarschen -Verkehrdichte 1842
Durch die Größe der Schiffe heben sich die Nordseehäfen Büsum, Wöhrden und Meldorf von denen an Eider und Elbe ab. Der Durchschnitt liegt zwischen 10 und 14 Tonnen, bei Meldorf mit 13 und 14 Tonnen am höchsten. Dafür hat Meldorf von den genannten Häfen den geringsten Verkehr mit 58 ein- und 59 auslaufenden Schiffen. In Büsum sind es etwa doppelt so viele.
(Nis R. Nissen: Dithmarschen, Zeitschrift für Landeskunde und Landschaftspflege, Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, Heide1985)